1925

02.12.2018

im haus, dass dem mann gehört, aber die mutter bewohnt, in dem die drei kinder leben und ungewohnt belohnt werden, und vor strafe verschont bleiben, und das obwohl sie alles falsch machen, aber das was sie falsch machen, ist dann eher zum lachen und keiner wird durchs Haus gejagt und geschlagen oder muss die schreie vom vater oder der mutter ertragen, man kann sich einfach so räkeln, irgendwas stricken, dort häkeln, etwas lesen und fernsehen und am abend wenn die knochen gekocht in der suppe schwimmen, und das schweinefleisch gerochen und von dem kleinen mädchen erbrochen wird, dann sagt der vater; „das ist doch ganz normal“.

wenn der bub schon wieder auf dem boden liegt und um sich schlägt und schreit, weil er nicht essen will, dann hebt die mutter in besorgt hoch und setzt ihn auf ihren schoß, wippt das kind hin und her und erzählt zwei geschichten von ungefähr zwei oder drei stunden, bis der bub eingeschlafen ist und dann will die mutter meist auch nicht mehr essen, sondern sich neben den bub legen und dass, obwohl sie hunger hat und extra diese frischen kalbszungen gemacht hat, aber die vielen oder die wenigen, die dann heute etwas von dieser zunge essen, sind der vater, der zweite sohn und die erste tochter und die zweite, schon alte tochter, die aber nur sehr wenig essen möchte.

„beim essen ist es immer wichtig, dass du die hand auf dem tisch hast“ erklärt die mutter der freundin, und „pass auf deine weiße bluse auf“ sagt sie weiter, weil die freundin isst gerade barszcz und das macht rote flecken und „dann wird dein ganzes oberteil total verdreckt“, sagt die mutter, schon etwas streng und die tochter weiß das schon, während sie am löffel leckt und ihre linke hand rebellisch in den schwarzen rock versteckt, aber dieser ungehorsam wird weggelacht, weil man muss nicht immer böse sein, besonders nicht vor fremden leuten, wobei vielleicht denkt sich die freundin auch nichts dabei, bei dem kopfschütteln und der beschämung und der hand, die plötzlich auf der schulter der tochter liegt.

der helmer schimpft immer liebevoll mit seiner nora, weil diese beim einkaufen nicht maßhalten kann und jetzt war sie schon wieder mit der schwester vom helmer unterwegs und hat statt dem kochtopf einen pelzmantel mitgebracht und das ist ärgerlich und teuer, aber der mann ist von der frau so verzaubert, auch wenn sie nicht sparsam sein kann, und obwohl nora vierfache mutter ist, hat sie immer noch das wesen eines kindes und das gefällt ihm und das hat auch einmal der jüngste sohn der mutter gesagt, er hat ihr gesagt, dass sie einem kleinen mädchen ähnelt.

wenn der zweite sohn, der weniger schreit, aber viel jammert ihr auf die nerven geht, dann nimmt die mutter die tochter und bringt sie zu den pferden, die außerhalb der stadt sind und dort reitet die tochter auf dem größten tier, weil sie das so haben will, und das pferd muss immer ein hengst sein und wenn möglich schwarz oder tiefbraun gefärbtes fell haben und sehr schwer zu erklimmen sein und wenn sie dann auf dem pferd sitzt und trabt und galoppiert, dann spürt sie die reibung zwischen ihren dünnen beinen und die wärme und beugt sich dabei leicht nach vorne, manchmal soweit, dass ihre nasenspitze den hinteren teil des pferdehalses berührt und dann riecht sie noch liebevoll an dem pferdehaar, zum abschluss, weil die mutter wieder nach hause will, um nach dem zweiten sohn zu sehen, weil sie den zweiten sohn schon vermisst und der erste sohn könnte auch schon wieder am boden liegen und weinen und irgendwann muss auch der sich mal benehmen und etwas essen. 

cf. Elfriede Jelinek (1975): Die Liebhaberinnen.
cf. Henrik Ibsen (1879): Nora (Ein Puppenheim).
cf. 1925 Geburtsjahr von Hermann.